Die Entwicklung von S/W-Negativfilmen

Heute geht es im meinem Blog wieder um ein analoges Thema.


Die Entwicklung eines S/W-Negativfilmes.


Was heutzutage schon fast exotisch anmutet, war in der Zeit vor dem Siegeszug der Digitalkameras für viele Amateurfotografen und auch Profis das „tägliche Brot“. Filmentwicklung und das Anfertigen von Vergrößerungen war selbstverständlicher Bestandteil der Fotografie.


Es gab eine Vielzahl von Filmen unterschiedlicher Empfindlichkeit und eine noch größere Zahl von Entwicklern. Die Kombination von Film und Entwickler war eine Wissenschaft für sich und die Selbstverarbeiter führten endlose Diskussionen über die Vor- und Nachteile der einen oder der anderen Zusammenstellung.


Ich habe Ende der 80er Jahre mit der Entwicklung von S/W-Negativfilmen begonnen, habe mich später aber auch mit der Entwicklung von Colornegativmaterial und Diafilmen beschäftigt. Die Farbprozesse sind sehr temperatursensibel, und da die Filme nur der erste Schritt zum fertigen Bild waren, das Anfertigen von Farbvergrößerungen sehr viel aufwendiger ist, als das Vergrößern von S/W-Negativen, habe ich die Farbverarbeitung wieder eingestellt. Ein Sonderfall stellt die Umkehrentwicklung von S/W-Negativfilmen zu Diamaterial dar. Der Prozess ist mit einer Zwischenbelichtung zwar aufwendiger, in der Projektion zeigten die Dias aber einen Tonwertumfang, den das Papierbild nicht in der Lage ist, abzubilden.


Die Frage, ob sich die Selbstverarbeitung von S/W-Material in der heutigen Zeit noch lohnt, ist nur individuell zu beantworten. Unbestritten ist, daß das Erstellen eines Fotos auf digitalem Wege weniger Kosten verursacht und schneller geht, als es im analogen Prozess möglich wäre. Wenn man aber Spaß an der Fotografie mit analogen Kameras hat und – ob für ein Papierbild, oder für die digitale Präsentation – Schwarz/Weiß-Fotografie bevorzugt, ist die eigene Entwicklung der Filme sinnvoll. Zwar ist es immer noch möglich S/W-Filme im Drogeriemarkt abzugeben, auch Fotogeschäfte nehmen in der Regel solche Filme zur Entwicklung an. Diese Filme werden dann aber in einem einheitlichen, standardisierten Prozess verarbeitet, ohne auf die speziellen Erfordernisse einzelner Filme Rücksicht zu nehmen, oder gar sogenannte Push-oder Pullentwicklung leisten zu können. Der Vergleich eines selbstentwickelten Filmes mit einem, der im Großlabor entwickelt wurde, sollte die Vorteile der Selbstverarbeitung deutlich werden lassen. Hinsichtlich der Körnigkeit, oder des Tonwertumfanges gerade in kritischen Aufnahmesituationen ist der selbst nach Herstellerangaben entwickelte Film klar besser. Der Vollständigkeit halber sei jedoch erwähnt, daß es einige Fachlabore gibt, die einen solchen Service weiterhin anbieten, allerdings hat eine solche individuelle Entwicklung auch ihren Preis. Ein Sonderfall ist der Ilford XP2, ein S/W-Film, der im Standard C41 Farbprozess entwickelt werden kann und gut durchgezeichnete Negative liefert.


Die Auswahl an Filmen und Entwicklern ist – wie oben bereits erwähnt – nicht mehr so groß, wie in den Hochzeiten der analogen Fotografie. Dennoch gibt es bei Versandhändlern wie www.fotoimpex.de noch ein ausreichendes Angebot an analogem Material. Für den Einstieg in die Analogverarbeitung gibt es dort spezielle Startersets, die für den Beginn alles beinhalten, was gebraucht wird.


Das wichtigste Utensil für die Filmentwicklung ist die Entwicklungsdose. Diese Dose ist veschlossen lichtdicht, die Entwicklung kann also, wenn der Film darin ist, bei Licht erfolgen. In der Dose ist eine Spirale, in die der Film eingespult wird. Das Einspulen ist der einzige Vorgang, der bei völliger Dunkelheit erfolgen muß. Jeder Lichteinfall, und sei er noch so gering kann den Film unwiederbringlich ruinieren. Ist der Film erst einmal eingespult in der Dose, und ist diese verschlossen, kann es losgehen. Die Filmentwicklung besteht aus mindestens 3 Schritten. Erstens, die eigentliche Entwicklung, bei der das seit der Belichtung latente Bild auf dem Film durch einen chemischen Prozess sichtbar werden läßt. Zweitens, die Fixierung bei der das Bild auf dem Negativ „lichtsicher“ wird und drittens die Wässerung, bei der der Fixierer aus dem Film ausgschwemmt und das Negativ archivfest wird.

 

 

Zur eigentlichen Entwicklung wird, wen wundert's, ein Entwickler gebraucht. S/W-Negativentwickler werden in Pulverform oder flüssig, mit ein oder zwei Komponenten angeboten. Es gibt welche, die einmal verwendet und entsorgt werden, und solche, die mehrfach verwendet werden können. Für die Entwicklung wird zunächst eine Arbeitslösung hergestellt, d.h. Das Konzentrat oder das Pulver wird in einer bestimmten Menge Wasser aufgelöst. Den Entwicklern liegen Datenblätter bei, aus denen der jeweilige Verdünnungsgrad abzulesen ist. Wichtig ist dabei mindestens so viel Arbeitslösung anzusetzen, wie die Filmdose faßt. Eine Entwicklungsdose für einen Film braucht ca. 250 ml, um sicherzustellen, daß der Film komplett vom Entwickler umgeben ist. Ich bevorzuge in diesem Zusammenhang Einmalentwickler, da hier nicht die Gefahr besteht, daß die Arbeitslösung durch Oxidation unbrauchbar wird und eine Entwicklung nicht mehr stattfindet. Konzentrate sind unter Luftabschluß und in dunklen Räumen sehr lange haltbar. Filmen und Entwicklern liegen Entwicklertabellen bei, auf denen die jeweiligen Entwicklungszeiten angegeben sind. Diese beziehen sich auf eine Raum- bzw. Entwicklertemperatur von 20° C. Niedrigere Temperaturen erfordern eine längere Entwicklung, während höhere Temperaturen die Entwicklung beschleunigen. Während der Entwicklung muß die Entwicklungsdose regelmäßig bewegt werden, damit der Film gleichmäßig mit dem Entwickler in Kontakt kommt. Dies geschieht durch das Kippen der Dose, dazu wird sie auf den Kopf gestellt und wieder zurückgedreht. Zum Kipprhythmus gibt es jeweils unterschiedliche Angaben in den Entwicklungstabellen. Standard ist das ständige Kippen während der ersten 30 Sekunden, danach reicht ein Kippvorgang pro Minute.


Nach dem Ende der erforderlichen Entwicklungszeit wird die Dose entleert (Bitte nicht in den Abfluß kippen, sondern auffangen. Verbrauchter Entwickler kann an den Wertstoffhöfen oder am Umweltbrummi abgegeben werden.). Danach kann die Entwicklung mit einem Stoppbad aus Essig- oder Zitronensäure gestoppt werden. Ich beschränke mich auf das Wässern, indem ich die Dose zweimal mit Wasser fülle, 5 mal kippe und dann ausleere. Anschließend erfolgt die Fixierung. Fixierer gibt es als Universalprodukt für Film und Papier. Für die Fixierung von Film wird eine höhere Konzentration verwendet, z.B. 1:4. Dieser Schritt ist ziemlich unproblematisch. Ich schütte die Lösung in die Dose, kippe jede Minute einmal und beende den Prozess nach 4 Minuten.


Der letzte Schritt ist die Wässerung des Filmes. Diese sollte sorgfältig erfolgen, damit die Negative nicht durch verbliebene Fixiererreste beschädigt werden. Ich gehe hier nach der sogenannten „Ilford-Methode“ vor. Die Dose wird mit Wasser gefüllt, 5 mal gekippt und entleert, danach fülle ich sie erneut mit Wasser, kippe sie 10 mal und entleere sie, das ganze noch im 20er- und im 30er-Rhythmus und der Film ist ausgewässert und archivfest.


Die Dose kann jetzt geöffnet, der Film entnommen und zum Trocknen aufgehängt werden. Damit keine Wasserflecken zurückbleiben, empfiehlt es sich die verbliebenen Wassertropfen abzustreifen. Ich mache das nach der Methode von Rolf Adam (www.rolfadam.de) mit einem gefaltetem Zewatuch, das ich um den Film lege und mit wenig Druck von oben nach unten über den Film ziehe. Wichtig ist, den Film unten zu bschweren, damit er sich während des Trocknungsvorgangs nicht einrollt. Je nach Luftfeuchtigkeit ist der Film nach 4-12 Stunden trocken und kann geschnitten und eingetütet werden. Nun steht auch dem Scannen oder Vergrößern der Negative nichts mehr im Wege.

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Kommentare: 2
  • #1

    Dani (Sonntag, 22 November 2015 16:53)

    Huhu Jörg, sehr schöner und interessanter Beitrag und passend, da ich heute früh auch mal wieder sw entwickelt habe.

    Ich wässere allerdings anders, ich lasse ca. 10 Minuten Wasser in die Dose laufen, fertig. Und ich streife die Wassertropfen mit 2 Fingern ab, klappt hervorragend. Bei mir sind die Negative nach 1-2 Stunden trocken.

    Ich finde es jedes Mal auf's Neue spannend, was aus dem Film geworden ist.

    Liebe Grüße vom Steinring, Dani

  • #2

    Jörg (Sonntag, 22 November 2015 18:57)

    Hallo Dani,

    danke für Deinen Kommentar. Ich habe auch immer so gewässert, allerdings immer mit einem schlechten Gewissen wegen des Wasserverbrauchs. Die Ilford-Methode dauert keine 10 Minuten und ist nach meinen bisherigen Erfahrungen genauso gut.

    Mit den Fingern abstreifen geht auch, wir haben hier wohl auch kein so kalkhaltiges Wasser, das viele Flecken zurückbleiben würden. Ärgerlicher waren für mich immer die Kratzer auf dem Negativstreifen bei Verwendung eines speziellen Filmabstreifers mit Gummilippen, daher das Zewatuch.

    Egal wie, entscheidend ist immer, was hinten rauskommt ;)

    Gruß von der Hattinger
    Jörg