Messsucherfotografie


26.11.2016

Heute ist das letzte Bild, das ich im Rahmen meiner Ausstellung  "Kanzlei und Kunst" in der Kanzlei Bärbel Schönhof verkauft habe, abgeholt worden. Wie zu Beginn der Finissage am 11.11.2016 angekündigt, habe ich nunmehr 10% des Verkaufserlöses der Bilder zu gleichen Teilen an die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (https://www.deutsche-alzheimer.de) und den Verein "Villa Kunterbunt" e.V. (http://www.vereinvillakunterbunt.de) gespendet. Aufgerundet haben beide Organisationen jeweils 30 € erhalten.

 

Auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank für das Interesse an meinen Arbeiten.

 

Jörg Haarmann



Messsucherfotografie?


Ich bin der Überzeugung, die wenigsten werden mit diesem Begriff etwas anfangen können. Es gibt unterschiedliche Kamerakonzepte. Kompaktkameras, Spiegelreflexkameras, Systemkameras und vieles andere.

 

Der Ursprung der Kleinbildfotografie war jedoch eine kleine Kamera, die Oskar Barnack bei der Firma Ernst Leitz in Wetzlar entwickelt und gebaut hat. Er wollte damit Probebelichtungen auf Filmen machen, die in der Kinematografie verwendet wurden. Schnell entdeckte er, daß er mit dieser Kamera in der Lage war, qualitativ hochwertige Aufnahmen zu machen, ohne eine große Plattenkamera mitzuschleppen. Die Fotografie wurde sozusagen von ihren Fesseln befreit, Aufnahmen, die das tägliche Leben zeigten wurden mit einem Mal möglich. Barnack und spätere Ingenieure der Firma Ernst Leitz entwickelten diese Kamera weiter. Sie erhielt einen Sucher und auch die Möglichkeit, die Entfernung optisch einzustellen. Der größte Schritt der Weiterentwiclung geschah am Anfang der 50er Jahre mit der Vorstellung der Leica M3. Diese Kamera ermöglichte die Bildgestaltung und die Entfernungsmessung und -einstellung durch einen Einblick in den Sucher. Das war die Geburtsstunde des Messsuchers, wie ich ihn verstehe.

 

Die M3 und ihre Nachfolgerinnen waren die Kameras für Reporter und Bildberichterstatter. Klein und leicht, aber mit lichtstarken Objektiven entstanden unzählige Aufnahmen, die das Weltgeschehen dokumentierten und ein neues Genre in der Fotografie schufen, die Streetfotografie.

 

Mit dem Aufkommen der ersten Spiegelreflexkameras in den 60er Jahren gerieten die Messsucherkameras ins Hintertreffen. Zwar ließen sich nach wie vor qualitativ hochwertige Aufnahmen machen, jedoch war durch das Messsucherkonzept die Objektivauswahl eingeschränkt. Starke Weitwinkelobjektive konnte der Sucher nicht darstellen und im Telebereich stieß man an die Grenzen der exakten Fokussierung. Allerdings verschwanden die Messsucherkameras nicht ganz. Wenn lichtstarke Optiken, kompakte Abmessungen und die Möglichkeit leise und diskret zu fotografieren erwünscht waren, waren Messsucherkameras die erste Wahl.

 

Es schien zunächst so, als würden diese Kameras den Schritt zur digitalen Aufnahmetechnik nicht überleben, dennoch wurde auch diese Klippe gemeistert und die Firma Leica baut neben den analogen Messsucherkameras auch digitale Ausführungen, die alle Besonderheiten der Messsucherfotografie bieten.